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Uwe Human, LL.M.

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Versicherungsrecht

Anfrage

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24.05.2015

Schadenrecht / Tierhalterhaftung

Nach einer Entscheidung des OLG Hamm vom 22.04.2015   – 14 U 19/14 – kann ein beim Beschlagen eines Pferdes durch das Tier verletzter Hufschmied den Tierhalter ungekürzt in Anspruch nehmen, da sich bei dieser Tätigkeit die spezielle Tiergefahr realisiert hat. Allein eine wegen der Tätigkeit am Pferd erhöhte Tiergefahr entbindet den Tierhalter nicht von der Haftung. Ein Haftungsausschluss wegen eines Handelns auf eigene Gefahr sei zu verneinen, da sich der Hufschmied wegen des Beschlagvertrages dieser Gefahr ausgesetzt habe und eine solche vertraglich begründete Handlung nicht zum Wegfall der Tierhalterhaftung führe, zumal sich gerade die tierspezifische Gefahr realisiert habe. Ein Mitverschulden wurde ebenfalls verneint. Die vertragsgemäße Tätigkeit am Tier begründe kein Mitverschulden.  Dass der Hufschmied durch eine eigene Fehlhandlung die Reaktion des Pferdes verursacht habe, sei nicht erwiesen. Ein Anscheinsbeweis zu Lasten des Hufschmied wird verneint, da das Beschlagen eines Pferdes kein typischer Geschehensablauf sei, bei dem aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aus einer Reaktion des Pferdes auf ein bestimmtes Verhalten des Hufschmied geschlossen werden könne. Das OLG verneint schließlich, dass der Hufschmied das Pferd während des Beschlagens als Tierhüter in seine Obhut genommen habe.

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