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Uwe Human, LL.M.

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Versicherungsrecht

Anfrage

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03.12.2015

Verirrter Ball - Wer mit Kindern spielt lebt gefährlich

Der Kläger war Gast auf einer Konfirmationsfeier. Beim Ballspiel mit mehreren Kindern wurde er im Gesicht von einem der Beklagten, einem 13-Jährigen, geworfenen Tennisball folgenschwer am Auge verletzt, weil das Brillenglas zerbrach und ein Glassplitter ins Auge eindrang. Der Kläger hatte behauptet, völlig überraschend beim Fußballspiel durch den vom Beklagten geworfenen Tennisball getroffen worden zu sein. Der Beklagte gab an, der Kläger habe am Ballspiel mit dem Tennisball teilgenommen und vor dem Wurf noch Blickkontakt gehalten. Die Beweisaufnahme konnte diese Frage nicht klären, ergab jedoch, dass ein gezielter Wurf gegen den Kopf nicht erfolgte. Das OLG hat die Klageabweisung durch das LG bestätigt und zusätzlich ausgeführt, dass erwachsene Mitspieler bei Ballspielen mit Kindern, auch wenn diese schon größer (älter) seien, stets mit fehlgehenden Bällen rechnen müssten. Hierauf müsse sich ein erwachsener Mitspieler einstellen.

Fazit, wer mit Kindern spielt, lebt gefährlich. Die nähere juristische Begründung der Entscheidung, mit der das OLG die Berufung nach § 521 Abs. 2 ZPO zurückgewiesen hat, ist der Veröffentlichung nicht zu entnehmen. In Betracht kommt die Verneinung einer Fahrlässigkeit auf Seiten des Kindes bzw. die Annahme einer die Haftung ausschließenden Einwilligung in die Gefährdung seitens des Klägers durch Teilnahme am Spiel, wenn und soweit nicht grobes Fehlverhalten vorliegt. Zudenken wäre auch an ein Mitverschulden, wofür jedoch der mitgeteilte Sachverhalt keinen greifbaren Anhaltspunkt gibt. Im Ergebnis hat das OLG ebenso wie das LG bei unabsichtlichen Verletzungen den Schutz des Kindes vor Ansprüchen über die Interessen des Geschädigten gestellt.

OLG Oldenburg - Beschluss vom 01.12.2015

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