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Uwe Human, LL.M.

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Versicherungsrecht

Anfrage

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28.12.2015

Ein Knaller

Der Beklagte hatte anlässlich eines Heimspiels seines Vereins einen oder mehrere pyrotechnische Knallkörper gezündet und auf den Unterrang der Nordtribüne geworfen. Wegen dieses Vorfalles und vier weiteren Vorfällen verhängte der DFB gegen den Verein (1. FC Köln) unter anderem eine Verbandsstrafe von 50.000,- €. Der Verein nahm den Böllerwerfer auf Zahlung von 30.000,- € in Anspruch und erzielte in erster Instanz ein obsiegendes Urteil.

Dies fand vor dem OLG keine Gnade. Zwar habe der Beklagte mit dem Werfen des gezündeten Knallers seine aus dem mit dem Verein geschlossenen Vertrag resultierenden Pflichten zur Unterlassung derartiger gefährlicher Störungen verletzt, auch sei diese Vertragsverletzung adäquat kausal für die vom Verband ausgesprochene Verbandsstrafe. Es fehlt jedoch nach Auffassung des OLG an dem erforderlichen Zurechnungszusammenhang zwischen der Pflichtverletzung des Beklagten und dem beim Verein eingetretenen Schaden. Die dem Zuschauer treffende Vetragspflicht, Spielstörungen zu unterlassen, dient nach Auffassung der Kölner Oberrichter nicht dem Schutz des Vereins vor Verbandsstrafen als Reaktion auf die Spielstörung. Da dem Zuschauer die komplexe Rechtslage , wie sie sich aus der Verbandsatzung und Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ergibt, nicht bekannt und überschaubar sei, könne auf Seiten des störenden Zuschauers auch nicht von einer bewussten Übernahme der den Verein treffenden verbandsrechtlichen Folgen i.S. einer Risikoübernahme ausgegangen werden. Damit  weicht das OLG Köln von Entscheidungen anderer Obergerichte ab und es bleibt abzuwarten, ob der BGH Gelegenheit erhält, sich mit dieser Frage zu befassen und wie er ggf. die Rechtslage beurteilt. Die Revision wurde zugelassen.

OLG Köln, Urteil vom 17.12.2015 – 7 U 54/15 –

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