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Uwe Human, LL.M.

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Versicherungsrecht

Anfrage

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26.01.2016

Gerechtfertigte Härte oder ersatzpflichtige Körperverletzung?

Der Kläger – Torwart – erlitt, verursacht durch den Beklagten – Spieler der gegnerischen Mannschaft –, einen doppelten Kieferbruch. Die Verletzung des Klägers wurde nicht durch den Schiedsrichter geahndet. Nach Behauptung des Klägers soll der Beklagte aus Frust mit voller Wucht gegen den Kopf des Klägers getreten haben, als dieser den Ball mit beiden Armen sicher vor der Brust gehalten und mit dem Oberkörper auf dem Ball gelegen habe. Dies ist nach Ansicht des Klägers eine nicht gerechtfertigte Härte, sondern eine vorsätzliche Körperverletzung, zumindest ein fahrlässiger Regelverstoß. Demgegenüber behauptetet der Beklagte, der Kläger sei mit Oberkörper, Kopf und Händen voraus in Richtung des Balls gesprungen, der ca. einen Meter vor dem Kläger gelegen habe. Er habe sich ebenfalls ca. 1 Meter vom Ball entfernt befunden und versucht, den Ball zu erreichen, um ihn zu spielen. Er sei schneller gewesen und zum Schuss gekommen. Der Kläger sei unglücklicherweise vom Ball oder Fuß getroffen worden.

Das LG Coburg hat die Klage abgewiesen. Fußball sei ein Kampfspiel mit erhöhtem Körpereinsatz und Gefährdungspotential. Beim Kampf um den Ball kommt es nicht selten zu Verletzungen, für die nur dann gehaftet wird, wenn schuldhaft gegen die Regeln des sportlichen Wettkampfes verstoßen wird. Bei regelgerechtem Verhalten bzw. nur geringfügigen Regelverstößen scheidet eine Haftung aus. Der Kläger muss daher nachweisen, dass der Beklagte sich schuldhaft nicht regelgerecht verhalten habe. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme war dieser Nachweis nicht gelungen, da der Kläger seine Darstellung des Ablaufes nicht beweisen konnte. Zudem sei nicht ersichtlich, dass ein grob fahrlässiges oder gar vorsätzliches Verhalten des Beklagten vorgelegen habe.

Fazit: Nicht für jede im Kampf erlittene erhebliche Verletzung gibt es Geld.

LG Coburg - Urteil vom 27.10.2015, 23 O 58/15

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